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Schobinger 1987
Saftorangen enthalten 85 - 87 % Wasser und sind relativ reich an Kalium, Calcium, Magnesium und Phosphor sowie an Folsäure. Orangensaft liefert rasch verfügbare Energie (der Zuckergehalt beträgt ca. 10 g/ 100 ml) und eignet sich daher gut als Zwischenmahlzeit. Ungeachtet der enthaltenen Fruchtsäuren (überwiegend Citronensäure) wirken Orangen wie alle anderen Obst- und Gemüsesorten als Basenbildner einer Übersäuerung des Körpers entgegen (siehe Säure-Basen-Gleichgewicht).
Als wichtigste Inhaltsstoffe im Orangensaft werden meist die Vitamine angesehen. Neben den Vitaminen A, B1 und B2 enthalten Orangen, ähnlich wie Grapefruits und Zitronen, etwa 50 mg Ascorbinsäure (=Vitamin C) pro 100 g. Damit deckt der Saft einer großen Orange (0,2 l) etwa den Tagesbedarf eines Erwachsenen an Vitamin C. Bemerkenswert ist, dass der Gehalt an den meisten Vitaminen (mit Ausnahme von Thiamin) in der Schale der Citrusfrüchte wesentlich höher ist als im Fruchtfleisch. So ergaben Messungen des Ascorbinsäuregehalts bei australischen Orangen im Flavedo (=äußerer gelborange gefärbter Teil der Citrusfruchtschale) Werte von 119-325 mg/100 g und im Albedo (=innerer, weißer Teil der Schale) 36-125 mg/100 g (gegenüber nur 48-74 mg/100 g Frischgewicht im Saft). Generell wird der Vitamin-C-Gehalt im Orangensaft oft überschätzt; dieser wird von einigen anderen Früchten wie z.B. Schwarze Johannisbeere oder Sanddorn weit übertroffen. Ernährungsphysiologisch erwähnenswert sind noch die organischen Zitronensäuren und andere Fruchtsäuren, denen offenbar wichtige stoffwechselchemische Aufgaben zufallen. So verbessert Zitronensäure u.a. die Aufnahme und Verwertung von Calcium (siehe Zitronensaft).
Der Fair Trade-Bereich bietet seit einiger Zeit Orangensaft aus Dritte-Welt-Ländern an, der wesentlich umwelt- und sozialverträglicher produziert wird als die handelsübliche Massenware. Oft sind es Kooperativen selbständig arbeitender Kleinbauern, die die Citrusfrüchte nicht in großen Plantagen, sondern in Mischkulturen oder sog. "Waldgärten" anbauen und auf chemisch-synthetische Spritzmittel weitgehend verzichten. Es handelt sich dabei aber nicht ausnahmslos um Direktsaft in Bio-Qualität. Orangen aus biologischem Anbau kommen meist aus dem Mittelmeerraum. Teilweise werden die baumgereiften Früchte noch im Ernteland gepresst und als Direktsaft ohne Zuckerzusatz vermarktet.
www.oeko-fair.de/php/aid.26
Zwischen 1989 und 1999 hat sich der Konsum von Orangensaft in Deutschland mehr als verdreifacht. Mit rund 800 Millionen Liter ist der zum Kultgetränk mutierte "O-Saft" inzwischen ebenso beliebt wie Apfelsaft, der lange Zeit unangefochten an der Spitze der Fruchtsäfte stand. Frisch gepresster Direktsaft spielt im gesamten Angebot nur eine untergeordnete Rolle, auch der Großteil der Markensäfte wird heute aus Konzentrat hergestellt. Unabhängig von Qualitätskriterien muss der Orangensaft-Boom unter den Gesichtspunkten nachhaltiger Produktion und fairem Handel kritisch betrachtet werden.
Ergebnis einer vergleichenden Ökobilanz des Wuppertaler Instituts für Klimaforschung von 1993 ist, dass die ökologischen Belastungen von heimischen Obstsäften (selbst gesammelt und unmittelbar in den Haushalten verarbeitet) zehnmal geringer sind als die vergleichbarer Mengen von handelsüblichem Orangensaft. Neben den umweltbelastenden Anbauverfahren schlagen nicht zuletzt auch die Transportkilometer in der Umweltbilanz negativ zu Buche. Anbau in Monokulturen mit hohem Pestizideinsatz, Dumpinglöhne und teilweise auch Kinderarbeit kennzeichnen häufig die Obstplantagen in Schwellenländern wie Brasilien und Mexiko; andererseits sind diese auf Devisenerlöse angewiesen und Verarbeitungsschritte im eigenen Land ermöglichen zumindest einen größeren Anteil an der Wertschöpfung.
Aus den Stammformen der in Südchina und im arabischen Raum beheimateten Orange oder Apfelsine (Citrus Sinensis), die zunächst nur kleine und bittere Früchte lieferten, wurden im Laufe der Zeit eine Vielzahl an Sorten gezüchtet. Neben den sog. "Blondfrüchten" mit hellem Fruchtfleisch existieren auch rotfleischige bis dunkelrote Sorten ("Blutorangen"). Schon seit rund 400 Jahren werden sie in Europa angebaut; kommerzielle Orangenpflanzungen in Spanien sind bereits für das 18. Jahrhundert belegt. Heute erstreckt sich der Anbau über die subtropischen Gebiete beiderseits des Äquators. Im Gegensatz zu Florida und Brasilien, wo der Großteil der Ernte in die Verwertung (Versaftung) geht, ist in den meisten übrigen Gebieten die Hauptmenge für den Frischmarkt bestimmt.
Entscheidend für die Saftqualität ist ein ausgewogenes Zucker-Säure-Verhältnis: Grundlage für den sog. "Reifeindex", der in den Hauptanbauländern durch staatliche Kontrollen überwacht wird und auch in die Bezahlung der Produzenten einfließt.


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